Als Berlin und Brandenburg mit der Fertigstellung des Flughafens baden gingen, war für die große Feier bereits Champagner kalt gestellt und die Schnittchen gemacht. Statt eines rauschenden Festes, blieb in den folgenden Jahren nur das Rauschen der nicht enden wollenden Pannen. Restdeutschland lachte über Berlin und schüttelte mit dem Kopf. Brandenburg wurde wie üblich vergessen und war in dem Fall auch ganz froh darüber.

Die Gelassenheit mit der die Leute hier auf dieses Desaster schauen hat auch viel mit der Erfahrung zu tun. Irgendwann würde dieser Flughafen schon fertig werden. Es würde dann passieren, wenn die alten Schuhe genug drückten. Es würde dann passieren, wenn der gesunde Menschenverstand sich bei allen Beteiligten durchgesetzt hat. Und bis dahin bleibt es ein unterhaltsames Spektakel für alle anderen.

Diese Art von Gelassenheit schätze ich sehr. Als Kind aus Brandenburg, das inzwischen sein halbes Leben in Berlin verbracht, habe ich diese Gelassenheit sehr verinnerlicht. Für alle unsere Entscheidungen gibt es Konsequenzen. Vor allem aber gibt im Leben etwas Wichtigeres als einen neuen Flughafen.

Das mit den Kosten war eine blöde Sache

Als ich in einer Reportage vom WDR (aktuell nur als Aufzeichnung bei Youtube) einen der wesentlichen Gründe für das Chaos erfahren habe: Nämlich das Fehlen eines erfahrenes und zentralen Planers durch Wunsch der Länder Berlin und Brandenburg vor allem Unternehmen aus der Region beim Bau zu beteiligen – da blieb das mit den Kosten eine wirklich blöde Sache. Doch eigentlich ist es ein bisschen wie mit Eltern, die damit Leben müssen, wenn ihre Kinder nicht immer die besten Entscheidungen treffen. Es war ein guter Grund. Ich schätze diesen Gedanken sehr. Und beide Länder werden daraus gelernt haben. Dieses Lernen ist wichtig.

Inzwischen habe ich selbst erlebt, wie kleine und große Projekte gestrandet sind – private wie öffentliche. Und immer gibt es dafür eine ganze Verkettung von Umständen. Oft ist da niemand sehenden Auges ins Verderben gestürzt, sondern wollte besten Wissens und Gewissens eine Aufgabe erfüllen. Ich schätze alle diese Erfahrungen. Als Produzent meines Lebens kann ich von fast jeder Niederlage profitieren. Sie fügen allesamt neue und interessante Facetten zum Gesamtwerk hinzu. Vorwärts ist eben keine Richtung.

Wo die Träume baden gehen

Nützlich sind sie mir auch bei allen meinen Aufgaben zum Gelderwerb. Aktuell stehe ich als Rädchen selbst vor einem kleinen Flughafen-Desaster und bin auch ohne Gesamtverantwortung bemüht, dass es nur eine Bruchlandung wird. Diese Moderation wäre für mich nicht möglich ohne diese Gelassenheit. Sie wäre nicht möglich ohne all das Scheitern. Und vielleicht entwickle ich irgendwann auch nicht nur einen Blick für das wirklich Wesentliche, sondern kann der groben Schnitzerei meines Lebens eine feine Struktur hinzufügen, die sich niemals wiederholt.

Bis dahin erlaube ich mir noch den einen oder an deren Sprung ins kalte Wasser. Arschbombe!

Von Wegen Lisbeth und Longus Mongus singen „Fundbüro”

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=EkKv8Gn_Pyk
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